Die vergangenen zweihundert Jahre haben gezeigt, dass Südasien mehr ist als nur ein geographischer Ausdruck. Man kann keinesfalls nur noch auf Indien schauen. Die politischen Mechanismen und Zusammenhänge lassen sich erst verstehen, wenn die Gesamtheit der Region betrachtet und die Komplexität ihres reichen Kulturraums verstanden wird. Der vorliegende Band soll dazu einen Beitrag leisten.
Der Inhalt in aller Kürze:
The Raj - Geschichte Britisch-Indiens: Vom Reich der Moguln bis zum Juwel in der Krone des Britischen Empire
Dan Krause
Die Unabhängigkeitsbewegung, die sich nach dem Ersten Weltkrieg verstärkt hatte und in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts zu einer ganz Indien umfassenden Volksbewegung wurde, führte 1947 zum Zerfall des Raj und zur Gründung der unabhängigen Staaten Indien und Pakistan sowie später Bangladeschs und Burma. Diese Entwicklung war eng mit den Namen Gandhi, Nehru und Jinnah verbunden und beendete die britische Herrschaft über den Subkontinent.
Südasien blieb jedoch ein Raum, der von der Vielfalt seiner Völker, Kulturen, Religionen und Ideen geprägt wurde und bis heute wird. Die hier im 20. Jahrhundert entstandenen Staaten sind allesamt Vielvölkerstaaten, die von zum Teil massiver ethnischer, kultureller, religiöser und sprachlicher Heterogenität geprägt sind.
Egal wer dieses Gebiet zu welcher Zeit beherrschte und zumindest in Teilen und vorübergehend unter eine zentrale Verwaltung stellen konnte, er regierte stets ein buntes Völkergemisch unterschiedlichster Herkunft, ausgestattet mit einer babylonischen Sprachenvielfalt sowie verschiedensten Stämmen und Volksgruppen mit zum Teil völlig gegensätzlichen Lebensgewohnheiten, Lebensvorstellungen und Lebensbedingungen.
Der Blick des deutschen Militärs auf die Rolle Indiens im Empire 1871-1945: Das Problem des Raumes und seiner Beherrschung im Kleinen Krieg im Spiegel des Militär-Wochenblattes
Harald Potempa
Das MilitärWochenblatt (MWBl) erschien von 1816 bis 1942/43 im Verlag E.S. Mittler und berichtete weltweit über Konflikte. Damit liegt eine wichtige Quelle zum militärischen Denken in Deutschland vor. Das MWBl analysierte ausgiebig die britischen Imperialkriege von 1871 bis 1945. Nach deutscher Lesart war Indien mitsamt seinen militärischen Ressourcen das Herzstück des Empire, indisch-britische Truppen waren wiederholt bei der Niederschlagung von Aufständen im britischen Imperium, bei Kolonialkriegen und während der Weltkriege im Einsatz. Indien galt es daher zu beherrschen, seine Grenzen zu sichern und die Zufahrtswege zu überwachen. Diese vitalen britischen Interessen versuchten deutsche Streitkräfte in vielfältiger Weise zu stören.
Das MWBl hob immer wieder die Frage nach dem Raum und seiner tatsächlichen Beherrschung hervor. Dies betraf sowohl die kulturelle als auch die militärisch-operative Dimension des Raumes. Die Niederkämpfung der gegnerischen Kombattanten geschah zumeist unter Beeinträchtigung der Zivilbevölkerung sowie der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Die kulturell-geographische Interpretation des Kleinen Krieges im Rahmen der Kolonial- bzw. Imperialkriege führte zur Schaffung von Tötungs- und Todesräumen. Letztendlich verweist die große Zahl von Konflikten innerhalb des Empire im Betrachtungszeitraum, dass der Unterschied zwischen Frieden und Krieg äußerst fließend war. Die Existenz einer flächendeckenden Beherrschung des Raumes muss zumindest in Zweifel gezogen werden.
Dem Beitrag liegt eine Studie zugrunde, die unter dem Titel "Die Perzeption des Kleinen Krieges im Spiegel der deutschen Militärpublizistik (1871 bis 1945) am Beispiel des Militär-Wochenblattes" auf http://www.mgfa.de einsehbar ist.
Vorbild für modernes „nation-building“ oder Muster imperialer Beharrungspolitik?: Die Versuche des britischen Empire zur Pazifizierung der indischen Nordwestgrenze 1918-1947
Bernd Lemke
Der Aufsatz von Bernd Lemke beleuchtet die Anstrengungen des britischen Empire zur dauerhaften Pazifizierung der paschtunischen Stämme in Waziristan, einer der entlegensten, gleichzeitig auch unruhigsten Gegenden des Weltreichs. Die Auseinandersetzung mit diesen Stämmen, die sich weder in das Empire integrieren noch sich sonst an die westliche ‚Zivilisation’ anschließen wollten, erforderte einen teils sehr großen militärischen Aufwand, den das zunehmend schwächer werdende Mutterland nicht mehr ohne weiteres bereitstellen konnte.
Die Briten, die schon im 19. Jahrhundert teils schwere Kämpfe in der Region ausgefochten hatten, trachteten nach dem Ersten Weltkrieg danach, möglichst ohne größere Kämpfe auszukommen. Sie versuchten, vor allem auch durch die Schaffung von Infrastruktur, Aufbau von wirtschaftlicher Betätigungsfelder, punktuelle Bildungs- und Gesundheitsangebote sowie politische Unterwanderung und sogar Bestechung durch Sonderzahlungen, Stabilität zu gewährleisten.
Der Aufsatz zeigt das wechselseitige Agieren und Reagieren, dies nicht zuletzt auch der Perspektive der indigenen Stämme (z.B. Nutzung westlicher Waffentechnik), und bietet so eine historische Folie für die heutige Situation.
Indiens sicherheitspolitische Wende zwischen 1962 und 1974
Amit Das Gupta
Der Tiefpunkt der Geschichte des unabhängigen Indiens war die Niederlage im Grenzkrieg 1962 gegen die Volksrepublik China. Für diese war die zivile Führung verantwortlich, die das Land in eine zunächst politisch, dann militärisch aussichtslose Lage manövriert hatte. Die folgenden Jahre standen im Zeichen eines umfassenden Programms zur Modernisierung der Streitkräfte, das in der Zündung einer Atombombe gipfelte und die Voraussetzung für Indiens heutige Großmachtposition schuf.
Flankiert wurde diese Aufrüstung durch eine Diplomatie, die auch unvorhersehbare Entwicklungen geschickt zu nutzen wusste. Pakistan konnte Indien damit nicht nur im Kaschmirkrieg 1965 Paroli bieten, sondern es 1971 auch mit der Unterstützung der Unabhängigkeit Bangladeschs entscheidend schwächen. Besonders bemerkenswert an der sicherheitspolitischen Wende ist, dass sie nicht zur einseitigen Abhängigkeit von einer der beiden Supermächte führte.
Der lange Weg ins „Reich der Mitte“: Amerikanischer Einfluß im indisch-pakistanischen Krieg vom Dezember 1971
Rüdiger von Dehn
Kurz und gut: In der Rückschau auf diesen Nebenschauplatz des Kalten Krieges wird heute deutlich, dass einer der größten politischen Erfolge in der Regierungszeit von Richard Nixon - sprich: die Annäherung an das kommunistische China - zu einem ganz erheblichen Teil auf eine geschickt geführte Sicherheitspolitik Indien und Pakistan gegenüber basierte, die bisweilen konzeptionsloser erschien als sie im Endeffekt wirklich war. So fehlten die Konzepte doch hauptsächlich in der Anfangszeit, als noch versucht worden war, die Krise so klein wie möglich und die eigene Rolle so unbedeutend wie nötig zu halten.
Dallek indes trifft den Kern der Entwicklungen nur zu genau. In seiner Diskussion der amerikanischen Entwicklungslinien im Dezember 1971 kommt er zu dem Schluss, dass „[t]he South Asian conflict produced unwelcome results, but left rapproachement with China and détente with Moscow intact.“ Dass war es doch gewesen, worum es Nixon und Kissinger immer wieder gegangen war. Ihr Konzept war einmal mehr die Realpolitik auf der Ebene internationaler Politik gewesen, die alles andere als abstrakt sein musste, wenn es darum ging, einen weiteren außenpolitischen Erfolg an die Fahnen des eigenen Landes zu heften.
Indiens Außenpolitik in Südasien im Wechselspiel zwischen regionalen und globalen Veränderungen
Miriam Prys
Miriam Prys bearbeitet in ihrem Beitrag indische Außenpolitik im Spannungsfeld zwischen regionalen Konflikten und globalem Machtstreben. In der politikwissenschaftlichen Literatur steht hauptsächlich Indiens Aufstieg als globale (Wirtschafts-)Macht im Mittelpunkt. Dabei wird häufig die Reflektion über das regionale Fundament, auf dem sich Indiens Machtanspruch wenigstens teilweise aufbaut, vernachlässigt.
Die Autorin problematisiert dies mit ihrem Argument, dass die indische Außenpolitik ohne eine Berücksichtigung der Imperative und Zusammenhänge auf der regionalen und der globalen Ebene der internationalen Politik kaum verstanden werden kann. Der Betrag beleuchtet diese Zusammenhänge sowohl aus einer theoretische Perspektive als auch mit Hilfe zweier Fallstudien: Indiens Nicht-Interventionen in der Krise in Sri Lanka im Jahr 2000 und Indiens Nepalpolitik zwischen 2001 und 2006.
Indiens Rolle im Demokratisierungsprozess in Nepal
Sandra Destradi
Der Beitrag untersucht Indiens Engagement in Nepal in den turbulenten Jahren 2002-2008, die geprägt waren durch die Abschaffung der Monarchie, die Beendigung des Bürgerkriegs und die Einbindung der maoistischen Rebellen in den politischen Mainstream bis hin zu ihrem Wahlsieg 2008. In diesem Friedens- und Demokratisierungsprozess spielte die Regionalmacht Indien eine zentrale, dennoch sehr ambivalente Rolle. Neu-Delhis widersprüchlicher Umgang mit den unterschiedlichen politischen Akteuren in Nepal lässt sich in erster Linie mit Indiens Präferenz für Stabilität in diesem strategisch wichtigen Nachbarstaat erklären.
Machtfaktor Indien: Wirtschaftsentwicklung und Außenpolitik zwischen Regional- und Weltwirtschaftsmacht
Elmar Janssen
Indien ist auf dem rasanten Weg zur Weltmacht, so der populärwissenschaftliche Tenor jüngster Vergangenheit. Dieser Beitrag widerspricht dieser These und seiner Logik. Volkswirtschaftlich gesehen ist Indien nach wie vor ein Entwicklungsland, und diese Strukturen können nur langsam - und nicht ohne Rückschläge - verändert werden. Indien wird als asiatisches „Schwergewicht“ die Regionalarchitektur Asiens konstruktiv mitbestimmen. Für eine struktur- und systembildende internationale Ordnungsfunktion fehlen dem Land jedoch - bisher und ebenfalls auf mittlere Sicht - die Machtmittel.
Indiens Demokratie: Manipurs langes Ringen um Frieden
Pamela Kargl
Seit 60 Jahren ringt im Nordosten Indiens die Region Manipur um ihre Stabilität. Eine der so genannten Sieben Schwestern: Arunachal Pradesh, Assam, Manipur, Meghala, Mizoram und Nagaland Tripura, abgetrennt durch den 22 km breiten Siliguri-Korridor vom Festland der größten Demokratie der Welt: Indien. In der verhältnismäßig kleinen Region am Rande des indischen Herrschaftsgebietes merkt die lokale, durch ethnische und politische Konflikte geprägte Bevölkerung, allerdings wenig von den Errungenschaften der Demokratie. Für sie ist es über die Jahre gleich geblieben: Kampf der einzelnen Akteure um Einfluss auf Kosten der Zivilbevölkerung.
Die Risiken des Bedeutungszuwachses nuklearer Technologien in Südasien und ihre Implikationen für eine neue Global Governance
Maren Becker
Längst fällt unter den Begriff der Sicherheitspolitik nicht mehr die alleinige Abwehr militärischer Bedrohungen, sondern ebenso die Auseinandersetzung mit Gefahrenszenarien, die durch den internationalen Terrorismus, die Proliferation von Massenvernichtungswaffen und durch grenzüberschreitende ökologische oder humanitäre Katastrophen bedingt sind.
Vor dem Hintergrund des erweiterten Sicherheitsbegriffes erscheint insbesondere ein Politikfeld, dem in diesem Zusammenhang bislang wenig Beachtung geschenkt wurde, als wegweisend für die zukünftige Ausrichtung sicherheitspolitischer Strategien: die globale Energiepolitik.
Die steigenden Energiepreise bei wachsendem Energiebedarf, die Knappheit fossiler Ressourcen und nicht zuletzt die Erderwärmung mit ihren Auswirkungen auf das globale Klima ließen den Ruf nach günstigen, kohlendioxidarmen und vom Import weitgehend unabhängigen Energien laut werden. Den knappen fossilen stehen zwar die erneuerbaren Energiequellen gegenüber, deren Wettbewerbsfähigkeit ist derzeit jedoch bei weitem nicht gegeben. Von daher erlebt eine andere kohlendioxidarme und gleichzeitig wettbewerbsfähige Alternative einen nicht erwarteten Bedeutungszuwachs: Die Atomenergie, die vielerorts bereits zum Auslaufmodell deklariert wurde, wird nun weltweit als zumindest vorübergehende Herangehensweise an die energiepolitische Problematik anerkannt.
Der vorliegende Artikel untersucht die energiepolitischen Strategien Indiens und Pakistans unter Einbezug der jeweiligen Atomwaffenprogramme beider Länder und der sich daraus ergebenden sicherheitspolitischen Implikationen. Darauf aufbauend werden Empfehlungen für eine den zukünftigen Bedingungen gerecht werdende Global Governance gegeben.
Das amerikanisch-indische Atomabkommen
Steffen W. Allhoff/Sebastian Buciak
Die vorliegende Arbeit stellt vor dem Hintergrund des steigenden indischen Energiebedarfs die Kooperation der Vereinigten Staaten und der Indischen Union auf dem Nuklearsektor in den Mittelpunkt, mitsamt einer Einführung in die Nutzenperspektive und die Konsequenzen für die beteiligten Akteure. Sie bewertet ferner das Nuklearabkommen im Lichte des Nichtverbreitungsregimes und der Rivalität mit Pakistan und der Volksrepublik China.
Machtspiele am Hindukusch: Afghanistan und die indisch-pakistanische Rivalität
Martin Stimmler
Der Artikel „Machtspiele am Hindukusch - Afghanistan und die indisch-pakistanische Rivalität“ von Martin Stimmler behandelt den indisch-pakistanischen Konflikt im Hinblick auf das Engagement beider Staaten in Afghanistan. Dabei wird zunächst dargestellt, welche Ursachen die indisch-pakistanische Rivalität in Afghanistan und der widersprüchliche Kurs Pakistans im Umgang mit den Taliban haben. Die möglichen Auswirkungen sowohl auf die Beziehungen der verfeindeten Nachbarn als auch auf den afghanischen Wiederaufbauprozess werden untersucht. Abschließend werden mögliche Schritte zur Entspannung in diesem Konflikt aufgezeigt, wobei das Verständnis der jeweiligen Interessenlagen Pakistans und Indiens im Hinblick auf Afghanistan als Grundlage für einen Ausweg aus dem langen Streit der beiden Nachfolgestaaten Britisch-Indiens besondere Berücksichtigung findet.
Was lehren die Madrasen?
Jamal Malik
Ein großer Teil der aktuellen Debatte über Religionsschulen ist auf deren vermeintliche Verbindung zum globalen Terrorismus zurückzuführen. Oftmals wird behauptet, Madrasen hätten sich zu Brutstätten des globalen Jihad und zum Nährboden für Terrorismus entwickelt. Das Beispiel Südasiens ist hier besonders interessant, nicht nur weil es ein Drittel der muslimischen Weltbevölkerung beherbergt, sondern weil dort diese Brutstätten islamischer Gewalt vermutet werden.
Es ist diese Vielfalt von Madrasen in Südasien, in der die Grenzen zwischen Widerstand und Homogenisierung, zwischen Radikalisierung und islamischer Lehre neu verhandelt, überschritten und auch mit Sinn erfüllt werden. Die Madrasen bieten zu all diesen Handlungsformen zahlreichen Beispiele.
Sri Lanka: Ein Blick in die Vergangenheit eines Aufstandes
Stephan Maninger
Die südasiatische Insel Sri Lanka erlebt schon seit Jahrzehnten einen ethnischen Konflikt, der im Zeitraum von 1982 - 2008 mit unterschiedlich starker Intensität ca. 70 000 Todesopfer forderte. Der Krieg gehört zu den hartnäckigsten und langwierigsten Konflikten Asiens. Alle bisherigen Bemühungen, den Inselstaat militärisch und politisch zu stabilisieren, scheiterten blutig.
Die Ursachen dieses Konfliktes sind komplex und vielfältig, lassen sich jedoch besser interdisziplinär als durch die in westlichen Ländern dominanten, aber monokausalen Deprivationstheorien erklären.
Dieser Beitrag beleuchtet die ethnokulturellen Ursachen und Merkmale dieses Konfliktes und wagt eine abschließende Prognose zur weiteren Zukunft des Landes.
Mediative versus bewaffnete Konfliktinterventionen: Die Friedensmissionen IPKF und SLMM in Sri Lanka
Pascal Sadaune/Christoph Trinn
Der Beitrag befasst sich mit der Frage, ob mediative Friedensmissionen erfolgreicher sind als bewaffnete Friedensmissionen. Hierzu werden zwei Konfliktinterventionen während des Bürgerkriegs in Sri Lanka zwischen den „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ und der Regierung von Sri Lanka miteinander vergleichen. Die eine ist eine bewaffnete, die andere eine mediative Mission: die „Indian Peace Keeping Force“ (IPKF) von 1987-1990 und die „Sri Lanka Monitoring Mission“ (SLMM) von 2002-2008.
Die Grundannahme hierbei ist, dass auf autoritativer Überzeugungsarbeit beruhende Friedensmissionen erfolgreicher sind als die auf Zwangsgewalt bauenden bewaffneten. Entgegen dieser theoretischen Erwartungen zeigt der empirische Vergleich, dass beide Interventionen als gescheitert angesehen werden müssen. Die Gründe für das Scheitern der Missionen waren vielschichtig: Die IPKF konnte von Anfang an kein Erfolg werden; zu wenig waren die Vorbedingungen für ein Gelingen ausgeprägt. Die SLMM hingegen hatte gute Voraussetzungen, doch gab es sowohl den Unwillen der sri-lankischen Regierung und der LTTE, als auch Mängel in der Durchführung der Mission selbst. Mangelhaft war vor allem der Umgang der SLMM mit dem Konzept und der Realität von „Sicherheit“.
Der Beitrag benennt eine Reihe von Bedingungsfaktoren für erfolgreiche Friedensmissionen: Konkret sind dies die Legitimität der betreffenden Mission im Zielland, die Neutralität des Interveneurs, die Transparenz der Mission sowie die Durchsetzungsfähigkeit des Interveneurs. Das wohl wichtigste Ergebnis des Beitrags ist, dass eine offensive Friedenspolitik vonnöten ist. Damit ist die Arbeit einer unbewaffneten, mediativen Intervention gemeint, die ihre Autorität gezielt einsetzt und nicht nur die Konfliktparteien im Auge hat, sondern auch die breitere Öffentlichkeit. Offensive Friedenspolitik muss somit innovative Methoden einsetzen.
Bangladesh zwischen Demokratie und Militär
Kristin Bleyder
Bangladesch wurde in der Zeit seiner Unabhängigkeit bereits zweimal von einer Militärregierung regiert, die durch einen Putsch an die Macht kam. Sowohl Hussain Muhammad Ershad als auch Ziaur Rahman griffen nach der Macht, weil sie das Land stabilisieren und Korruption bekämpfen wollten. Beide ermöglichten, meist nach einer Zeit mit autoritärem Führungsstil, Wahlen und schufen demokratische Rahmenbedingungen, indem sie eine eigene Partei gründeten oder sogar von ihrem militärischen Posten zurücktraten. Ershad etablierte ein Regime, das sich mehrere Jahre an der Macht hielt und nicht durch einen Putsch, sondern durch die Opposition und das Volk zum Rücktritt gedrängt wurde. Seit dem Rücktritt Ershads fand in Bangladesch kein weiterer Militärputsch statt. Daher findet diese Epoche in dem Beitrag besondere Berücksichtigung.
The Consequences of the International Food Crisis on Internal Security in Bangladesh
Britta Andrei/Valentine Offenloch
Lately we have seen the rising problems of a crisis in food prices and supply caused by global factors such as an overall increased demand for food, biofuel production, new protectionism and low and declining agricultural productivity in many developing countries. This led for example to a tripling of the rice prise since September 2007 and another increase by 160 percent between January and April 2008 alone. Naturally countries with low Gross Domestic Product (GDP) per capita suffer the most from this development.
The side effects of the world wide economic crisis, namely the decline in financial
development aid, amplified the critical situation even more. In the years 2006 and 2007 donations of the industrialized countries have shrunk to 104 Billion US Dollar, thus only being a quota of 0.28 percent of the gross national income.
This paper examines the connection between the food price crisis and violent
uprisings in Bangladesh. Inspired by the theories presented by Kaufman and Kalyvas on ethnic and political violence and by means of mobilization literature, we investigate the mechanisms that lead people to protest and the formation of protest groups. Pursuant to Maslow's hierarchy of needs, we find that people can be expected to overcome political, local, and social cleavages and moreover that, as long as the main conflict (predicament of survival) holds, violence will spread, strengthening the groups dynamics of the emerged groups.
Pakistan zwischen Demokratie und Militär
Łukasz Kowalczyk
Über die Hälfte der 60 Jahre langen Unabhängigkeitsgeschichte wurde Pakistan direkt durch das Militär regiert oder stand in der Zwischenzeit unter starkem Einfluss der Armee. Damit gehört Pakistan zur Gruppe von Dritten-Welt-Staaten, in der auch in Zeiten des demokratischen Kabinetts die Armee nie den mittelbaren Einfluss auf die sozial-ökonomische Ereignisse in der Innen- und Außenpolitik verloren hat, und in der die Armee immer bereit war, die Führung aus den Händen der zivilen Regierung zu übernehmen.
Mit dem Beitrag soll die besondere Rolle der Armee in Pakistan beleuchtet werden, was sich als unabdingbar für das richtige Verstehen der Situation in Pakistan erweist.
Pakistan, die Taliban und die Atombombe: Die plötzliche Aktualität des Atomwaffensperrvertrags
Andreas M. Bock
Al Qaida hat die A-Bombe! Wird dieses Horrorszenario durch den Vormarsch der Taliban im Atomwaffenstaat Pakistan zu einer realistischen Bedrohung?
Der Aufsatz analysiert erstens die Gefahren, die tatsächlich von der Situation in Pakistan für das Entstehen eines nuklear bewaffneten islamistischen Terrorismus ausgehen. Zweitens argumentiert er für die Wiederbelebung des Non-Proliferations-Regimes des Atomwaffensperrvertrages als verlässliches Sicherheitsinstrument.
Die Legitimität einer staatlichen Ordnung als Erklärung der Aktivität terroristischer Netzwerke: Ein innerpakistanischer Vergleich
Andrea Pretis
Im Beitrag „Die Legitimität einer staatlichen Ordnung als Erklärung der Aktivität terroristischer Netzwerke - ein innerpakistanischer Vergleich“ geht Andrea Pretis der Frage nach, warum terroristische Netzwerke in manchen Räumen begrenzter Staatlichkeit aktiver sind als in anderen.
So unterscheidet sich etwa die Aktivität der terroristischen Netzwerke der North West Frontier Province (NWFP) und den Federally Administered Tribal Areas (FATA) zwischen 2004 und 2006 erheblich, obwohl diese beiden an Afghanistan grenzende Regionen Pakistans topographisch und in ihrer ethnischen Bevölkerungsstruktur kaum differieren.
Eine mögliche strukturelle Erklärung für dieses empirische Rätsel ist die unterschiedlich hohe Legitimität der staatlichen Ordnung in den beiden Regionen: Im Vergleich zu Bürgern der NWFP hatten im Untersuchungszeitraum Bürger der FATA deutlich eingeschränktere Partizipationsmöglichkeiten und weniger Rechte. Außerdem stand ihnen eine schlechtere Infrastruktur sowie ein weniger entwickeltes Bildungs- und Gesundheitssystem zur Verfügung. Auch die Art und Weise wie ein (mehr oder weniger) legitimes Gewaltenmonopol hergestellt wurde, variierte zwischen den FATA und der NWFP.
Nach einer Plausibilitätsprüfung dieser Faktoren kommt die Autorin zu folgendem Schluss: Finden sich in einem schwachen oder versagenden Staat oder einer dortigen Region erhebliche Legitimitätsdefizite, ein kaum durchgesetztes Gewaltenmonopol und (akute) staatliche Repression, die Widerstand hervorruft, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Aktivität dortiger terroristischer Netzwerke erhöht.
Das Frontier Corps: Ein paramilitärischer Verband von Pakistan in den Tribal Areas
Albert A. Stahel
In diesem Beitrag schildert und analysiert der Autor die Entwicklung des Auftrags, der Organisation und Bewaffnung des pakistanischen Frontier Corps von seiner Bildung bis heute.
1896 werden Afghanistans Ost- und Südgrenze mit Britisch-Indien aufgrund der Pläne des britischen Beamten Durand festgelegt. Durch diese Grenzziehung wird das Gebiet der Paschtunen - und damit jener Ethnie die Afghanistan begründet hat - in zwei Teile getrennt. Die Durand-Linie führt zu einer Art Niemandsland, das sehr bald die Bezeichnung Tribal Areas (Stammesgebiete) erhält. Immer wieder neigen die Paschtunen der Stammesgebiete zu Aufständen und Raubzügen in Indien.
Für die Kontrolle der Stammesgebiete rekrutieren die Briten bereits Ende des 19. Jahrhunderts Milizen unter den lokalen Paschtunenstämmen, die von britischen Offizieren kommandiert werden. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts werden diese Milizen zum Frontier Corps zusammengefasst und bereits 1937 mit Maschinenpistolen und Artillerie ausgerüstet. Bei der Gründung im Jahre 1947 übernimmt Pakistan das Frontier Corps, unterstellt es dem Innenministerium und setzt für die Kommandofunktionen Offiziere aus dem pakistanischen Punjab ein. Die regulären Einheiten werden aus den Stammesgebieten abgezogen, und der Schutz und die Sicherung der Grenze zu Afghanistan werden dem Frontier Corps überlassen. Während des Krieges der UdSSR in Afghanistan von 1979 bis 1989 wird der Auftrag des Corps ausgeweitet. Seit 2001 hat das Frontier Corps wegen der Unterwanderung der Stammesgebiete durch die pakistanischen Taliban und die Al-Kaida noch mehr an Bedeutung gewonnen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird das Corps unter Aufsicht der USA mit Schützenpanzern ausgerüstet und neu ausgebildet.
Der Beitrag zeigt auf, dass das Frontier Corps mit seinen 65 000 Paschtunen dank dieser Neuausrüstung und Ausbildung für Counterinsurgency Operations wieder voll einsatzfähig sein wird und damit seine ursprüngliche Bedeutung für die Sicherung der pakistanischen Stammesgebiete wieder einnehmen kann.
Democratization of Pakistan: A Role for the European Union
Ismail Numan Telci
Chronic institutional conflicts, civil war, political turmoil and extreme terrorist groups have harassed Pakistan for most of its rough 60 year-old history. Consequently, political history of the country is marked more by periods of military rule than of democracy. Considering recent political developments however, there is a unique opportunity for Pakistan to grasp democracy. This democratization would come to Pakistan with cooperation of international actors which promotes democratization worldwide. It has been witnessed that the European Union facilitates, encourages and promotes democratic consolidation. Democracy promotion instruments of the EU differ accordingly to the receiver country. Among these; consultancy, political dialogue and moral support, financial aid, loans or economic cooperation, peace keeping interventions, election observations, the threat of financial or moral sanctions in case of non-compliance, are the most often applied ones. This chapter is an attempt to assess whether democracy promotion instruments of the European Union can be applied in the case of Pakistan, and more importantly how would it be possible?